In
der U-Bahn, zwei auf den ersten Blick damenhaft wirkende Frauen, die
eine Sechzig, die andere Siebzig, geschminkt, gefärbt, mit schönem
Schmuck, altmodisch vielleicht, aber sicher echt, für ihr Alter
durchaus modisch gekleidet. Sie sprechen schönstes Deutsch auf
niedrigstem Niveau.
Sie
sprechen zwar, aber sie unterhalten sich nicht. Ohne äußeren
Anlass, wie etwa einen Schwarzafrikaner oder eine Kopftuchträgerin
in der Nähe, beten sie einander ihr Alphabet von Hass und Wut vor. Es beginnt mit
„Asylant“ und endet mit „Zuwanderer“. Zu allem haben sie
etwas zu sagen, wenn auch CETA bei ihnen Seta heißt. Sie lesen
einander Artikel aus diversen Schmutzblättern vor, die sie
ausgeschnitten in ihren Handtaschen mit dabei haben. Sie sind laut,
denn sie erzählen einander ja nichts Neues, sie tragen vor.
Ein
älterer Herr setzt sich kopfschüttelnd woanders hin, eine junges
Mädchen nimmt zu ihren Ohrstöpseln Zuflucht, das Gros der
Mitfahrenden ignoriert den Hass und die Wut der rabiaten Hüterinnen
des Abendlandes, - alles Ausländer, oder was?
Ich
bekomme langsam rote Ohren und überlege, ob ich mich mit einem
„Heil“ zum Abschied wenden soll. Schließlich lasse ich es dabei
bewenden und überlasse die beiden ihrem alltäglichen Sodbrennen.
Die
Kleinbürger, voll Angst, Hass und Wut, wollen sich zuerst Gehör
verschaffen, also vertrauen sie zunächst jenen, die vorgeben, ihnen
zuzuhören. Wer dieses Spiel beherrscht, das zeigen die Wahlen.
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